Haufe X360 für die Produktion Teil 7 – Umgang mit Produktionsschrott
Im siebten Teil unserer Haufe-X360-Produktionsreihe dreht sich alles um ein Thema, das in jeder Fertigung eine Rolle spielt: Produktionsschrott. Bei jedem Auftrag fallen Abfälle an, die Material kosten, Prozesse beeinflussen und sich letztlich auf Deine Produktionskosten auswirken. Anstatt diese Verluste jedoch einfach hinzunehmen, kannst Du sie gezielt managen.
In Haufe X360 wird dieser Materialverlust als Ausschussfaktor in der Stückliste hinterlegt. So lassen sich die Kosten präzise kalkulieren und aktiv steuern. Gleichzeitig hast Du verschiedene Möglichkeiten, den vermeintlichen „Abfall” sinnvoll weiterzuverwenden: durch Recycling, Aufbereitung, den Verkauf zu einem reduzierten Preis oder sogar als Input für Folgeproduktionen. Richtig eingesetzt wird Produktionsschrott so zu einem Werteträger und nicht zu einem reinen Kostenpunkt.
Die Möglichkeiten der Produktionsschrottabrechnung
Haufe X360 bietet Dir mehrere Wege, um Produktionsausschuss korrekt zu erfassen und kostenwirksam abzubilden. Je nach Situation und Umgang mit dem Schrott kannst Du zwischen folgenden Optionen wählen:
- Ohne Handlungsbedarf: Du belässt die Ausschusskosten vollständig im Fertigungsauftrag. Dadurch werden keine zusätzlichen Transaktionen erzeugt – eine einfache Lösung, wenn der Materialverlust bereits im Auftrag einkalkuliert ist.
- Abschreibung: Hier schreibst Du die entstandenen Kosten ab und buchst sie auf ein entsprechendes Konto. Typischerweise wird das Schrottaufwandskonto für die Produktionskosten belastet, während das Konto für unfertige Erzeugnisse entlastet wird.
- Quarantäne: Der Schrott wird in ein separates Lager überführt, um ihn später zu recyceln oder fachgerecht zu entsorgen. Haufe X360 passt dabei automatisch den Bestand im Quarantänelager und am Ursprungsstandort an. Der Wert entspricht dem errechneten Schrottpreis.
Der Haken „Schrott bei Fertigstellung“ im Formular AM102000 steuert zudem, ob ein Vorgang automatisch abgeschlossen wird. Bei automatischer Fertigstellung werden abgeschriebene Ausschussmengen bei der Kostenberechnung ignoriert. Wird der Ausschuss hingegen nicht abgeschrieben, bezieht Haufe X360 ihn – abhängig von Deinen Einstellungen – automatisch in die Auftragskosten ein oder schließt ihn aus.
Relevantes Formular für die Buchung
WIP Anpassung (AM308000): Die WIP-Anpassung erfasst Du direkt auf der Registerkarte „Events Produktionsauftrag“. Über dieses Formular erzeugst Du die entsprechende GL-Transaktion, entlastest das WIP-Konto des Fertigungsauftrags und belastest gleichzeitig das hinterlegte Konto für die Ausschusskosten.

- Bestandskorrekturen (IN303000): Wenn Du Dich für die Option „Quarantäne“ entscheidest, legt Haufe automatisch eine Bestandsanpassung an und gibt sie frei. Im Hintergrund wird dabei das Bestandskonto belastet, während das Schrottaufwandskonto entsprechend gutgeschrieben wird.

Beachte noch Folgendes:
Wenn ein Lagerartikel die Bewertungsmethode „Standardkosten“ verwendet, wird das Bestandskonto automatisch bebucht. Gleichzeitig erzeugt Haufe im Hintergrund eine Standardkostenanpassung, um Differenzen auszugleichen. Werden zusätzliche Kosten auf Vorgänge gebucht, kann es zudem dazu kommen, dass die berechneten Schrottkosten von den ursprünglichen Transaktionskosten abweichen.
Lagerbewertung des Produktionsschrotts
Wenn Du bei der Verschrottungsaktion die Option „Quarantäne“ auswählst, empfiehlt es sich, ein separates Lager anzulegen. Dadurch stellst Du sicher, dass die Ausschusskosten den bereits akzeptierten Bestand nicht beeinflussen. Die Bestandsanpassung aktualisiert in diesem Schritt auch die Kosten der Verschrottungsartikel.
Nutzen Deine Artikel die Bewertungsmethode „Standard“, setze bitte den Haken bei „Standardkosten überschreiben“. Diesen Schritt führst Du im Formular Lagerdetails zum Artikel (IN204500) durch.
Bei der Bewertungsmethode „Spezifisch“ kann dagegen dasselbe Lager verwendet werden – die letzten Kosten- und Durchschnittskosten werden weiterhin korrekt um die Ausschusskosten bereinigt.
Die Schrottkostenberechnung in Ihrer Haufe X360 Instanz
Wie die Ausschusskosten berechnet werden, hängt direkt von der Kalkulationsmethode ab, die Du für Deinen Fertigungsauftrag festgelegt hast. Zur Einordnung die beiden Varianten im Überblick:
Tatsächliche Berechnungsmethode
Haufe ermittelt die Kosten für jeden einzelnen Produktionsvorgang. Dabei berücksichtigt das System sowohl die tatsächlichen Kosten des aktuellen Vorgangs als auch die geschätzten Kosten bereits abgeschlossener Vorgänge.
Kosten früherer Vorgänge ergeben sich aus den tatsächlichen Kosten plus den geplanten Kosten für Material, Arbeit und weitere Komponenten, die noch nicht gemeldet wurden. Dadurch fließen Materialien, die nicht an einem früheren Vorgang verbraucht wurden, über die geplanten Stück- und Gesamtkosten dennoch korrekt in die Kalkulation ein.
Geschätzte oder Standardkostenkalkulationsmethode
Der Unterschied zur tatsächlichen Methode: Hier ergänzt Haufe fehlende Kosten automatisch, beispielsweise Arbeits- oder Materialgemeinkosten, die nicht gemeldet wurden. So entsteht auch ohne vollständige Meldungen eine vollständige und konsistente Kostenkalkulation.
So verarbeitest Du Produktionsschrott in Deinen Produktionstransaktionen
Verschrottete Mengen erfasst Du direkt in den Arbeitsvorgängen oder Umzugsvorgängen. Sobald eine Ausschussmenge ungleich „0“ entsteht und die Verschrottungsaktion auf „ohne Handlungsbedarf“ steht, legt Haufe automatisch eine WIP-Korrekturtransaktion für die entstandenen Schrottkosten an.
Über den Begründungscode bestimmst Du dabei das passende Konto und Unterkonto für die Buchung der Ausschusskosten.
In der Tabelle findest Du anschließend alle relevanten Werte:
- die Fertigungsauftragswerte des jeweiligen Vorgangs
- die erfasste Ausschussmenge
- eine mögliche Bestandsanpassung
Haufe X360 trägt außerdem das Ausschusslager und den Ausschussort automatisch in den Fertigungsauftrag ein.
Sobald Du die WIP-Korrektur freigibst, wird im Hintergrund eine GL-Transaktion erzeugt und das WIP-Konto für den Ausschuss entsprechend bebucht.
Steht die Verschrottungsaktion auf „Quarantäne“, gibst Du den Arbeits- oder Umzugsvorgang in einer separaten Zeile ein und aktivierst das Kontrollkästchen „Ist Schrott“. Dadurch werden Ausschusslager, Standort und – falls erforderlich – die passende Losnummer korrekt übernommen.
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